Das Jahresende ist wie ein Sonnenuntergang. Nicht alles ist abgeschlossen, nicht alles geklärt – und doch legt sich ein stilles Licht über das Vergangene. Das Kreuz im Abendlicht erinnert uns daran: Dieses Jahr war getragen – auch dort, wo es schwer, dunkel oder unvollständig geblieben ist. Nicht alles musste gelingen, nicht jede Frage brauchte eine Antwort. Gott war da – oft leiser, als wir erwartet haben.
Das Licht am Horizont steht für Dankbarkeit. Für das, was wachsen durfte, für Begegnungen, die getragen haben, für Liebe, die geschenkt und empfangen wurde, für Halt in Momenten, in denen wir ihn selbst nicht mehr hatten.
Am Jahresende dürfen wir loslassen, ohne zu verlieren. Wir legen das Vergangene nicht ab, sondern in Gottes Hände zurück. Im Blick auf das Jahresthema „Verwurzelt in Gottes Liebe – verankert in Nächstenliebe“ fragt uns dieses Bild still: Wo habe ich Liebe empfangen? Wo durfte ich selbst Halt sein? Wo bin ich gewachsen – vielleicht gerade im Schwierigen?
Das Kreuz im Abendlicht sagt uns: Nichts war umsonst, kein Weg zu lang, kein Tag vergessen. Und der Horizont bleibt offen. Denn Gott schliesst kein Jahr ab, ohne schon neues Leben vorzubereiten. So gehen wir dem neuen Jahr entgegen nicht mit Angst, sondern mit Vertrauen.
Denn wer in Gottes Liebe verwurzelt ist, kann getrost loslassen. Und wer in der Nächstenliebe verankert ist, bleibt verbunden –
über alle Zeiten hinweg.