Es gibt Tage, an denen wir die frohe Botschaft leicht hören können. Und es gibt Tage, an denen sie uns erst durch die Dunkelheit hindurch erreicht. Der heutige Sonntag gehört zu beiden. Wir feiern das Fest der Taufe des Herrn – ein Fest des offenen Himmels, der Zusage und der Liebe Gottes. Gleichzeitig tragen wir die Bilder und Nachrichten der Brandkatastrophe in Crans Montana in unseren Herzen: Leid, Tod, Trauer, Sprachlosigkeit. Vielleicht fragen sich manche von uns: Wo ist Gott, wenn es brennt? Wo ist der offene Himmel, wenn alles dunkel wird?
Genau hier setzt das Evangelium vom Fest „Taufe des Herrn“ an. Jesus kommt an den Jordan. Er stellt sich nicht über die Menschen. Er bleibt nicht auf Distanz. Er reiht sich ein – mitten unter die Suchenden, die Schuldigen, die Verletzten. Er geht dorthin, wo Menschen ihre Bedürftigkeit zeigen. Und dort, nicht im Tempel, nicht im Palast, öffnet sich der Himmel. Das ist entscheidend. Der Himmel öffnet sich nicht, weil alles heil ist.
Er öffnet sich mitten in einer unheilen Welt. Und aus diesem offenen Himmel kommt keine Erklärung für das Leid, keine Rechtfertigung für Katastrophen, keine Antwort auf jedes „Warum“. Es kommt ein Wort: „Du bist mein geliebter Sohn. An dir habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Das ist keine theologische Randnotiz. Das ist das Herz unseres Glaubens. Gott beginnt nicht mit Forderungen, nicht mit Schuldzuweisungen, nicht mit Drohungen. Er beginnt mit einer Liebeserklärung. Dieses Wort gilt nicht nur Jesus. Es ist das Grundwort jeder Taufe. Auch über uns hat Gott dieses Wort gesprochen: Du bist mein geliebtes Kind, nicht wenn du stark bist, nicht, wenn du alles verstehst, nicht: Wenn dein Leben gelingt, sondern: Du bist. Gerade angesichts von Leid und Tod ist das entscheidend. Denn die Taufe verspricht uns nicht, dass wir vor Katastrophen bewahrt bleiben. Aber sie verspricht uns: Wir sind nicht allein, wenn sie geschehen. Unser Leben ist gehalten, auch wenn es zerbricht. Unsere Würde geht nicht verloren, auch im Leid.
Jesus steigt aus dem Wasser und beginnt seinen Weg. Dieser Weg führt nicht nur durch heilende Begegnungen, sondern auch durch Ablehnung, Gewalt und schliesslich ans Kreuz. Darum gehören Krippe, Jordan und Kreuz untrennbar zusammen.
Die Taufe Jesu zeigt: Gott geht den ganzen Weg des Menschseins mit - bis in die dunkelsten Stunden hinein. Genau darin liegt Hoffnung. Denn wenn Gott selbst durch Feuer, Leid und Tod hindurchgegangen ist, dann ist kein Ort gottverlassen. Dann ist auch dort, wo Menschen heute trauern, Gott nicht abwesend, sondern leidend gegenwärtig. Unsere Taufe ist deshalb kein stilles Erinnerungszeichen. Sie ist eine Sendung. Aus der Taufe heraus sind wir gerufen, nicht alles erklären zu müssen, aber da zu sein, nicht Antworten zu haben, aber Nähe zu schenken, nicht Leid wegzunehmen, aber es mitzutragen. Das ist christliche Hoffnung: nicht laut, nicht triumphierend, sondern still, treu und solidarisch.
P. Anto Poonoly